Neulich beim Mondschein-Festival in W. kam Peer mächtig unter die Räder und ist nie wieder aufgetaucht.

Dabei fing alles so harmlos an: Als das Festival kurz nach Sonnenuntergang eröffnet wurde, stand er vor seinem Zwei-Mann-Zelt und hatte seine Freundin im Arm. Er kannte sie schon aus der Grundschule und er liebte sie innig. Er stritt sich nie mit ihr. Selbst als sie das Zelt das dritte Mal zum Einsturz brachte, weil sie mal wieder über die Schnüre stolperte, lachte er nur und fing wieder von vorne an.

Da stand er nun mit ihr und freute sich auf ein Wochenende mit Freunden und viel Musik. Die Bühne lag unter ihnen am Fuß des Hügels, auf dem das Zelt stand. So konnte der Hügel als Tribüne genutzt werden. Peer entdeckte viele Freunde unter den Zuschauern, die sich bereits eingefunden hatten.

Auf dem Weg zur Bühne wurde ihm von allen Seiten gewunken und gerufen. Mit allen unterhielt er sich einige Zeit, so dass die erste Band gerade die Bühne verließ, als er mit seiner Freundin unten ankam.

Die Stimmung vor der Bühne war schon entsprechend angeheizt. Er warf sich mitten hinein in die kochende Meute und ließ sich von der Begeisterung und einigen Flaschen Bier mitreißen.

Er schwebte förmlich durch den Abend: die Musik, die Gemeinschaft mit Freundin und Freunden und die ausgelassene Stimmung erzeugten ein Glücksgefühl in ihm, das ihn taumeln ließ. Immer wieder drehte er sich um, nahm seine Freundin in die Arme und schaute den Hügel hoch. Dort oben stand in merkwürdiger Größe ein leuchtend weißer Mond.

Als sie weit nach Mitternacht den Hügel nach oben gingen, um sich schlafen zu legen, stand der Mond scheinbar noch immer an derselben Stelle. Er leuchtete so hell, dass das Licht, als Peer später im Zelt lag, seltsam milchig-grün durch die Zeltbahn schien. Schlafen konnte er hier nur stückweise. Immer wieder wachte er ob des hellen Lichtes auf.

Weshalb er dann tatsächlich aufstand, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen: Lag es am hellen Licht oder ganz einfach nur an seiner vollen Blase? Mancher hat ihn noch gesehen wie er Angesicht zu Angesicht mit dem Mond am Waldrand stand.

Neben ihm stand ein Typ, den den ganzen Abend niemand gesehen hatte. Er hatte sich auf Peers Schulter gestützt und auf ihn eingeredet.

Jene, die die beiden noch gesehen haben und der Szene am nächsten waren, erzählten später, sie hätten einzelne Wortfetzen aufgefangen. „Der Mond ruft …“, „… Ekstase …“, „… Vollkommenheit …“. Einer wollte sogar das Wort „Nirwana“ gehört haben.

Am nächsten Morgen war Peer weg. Lange Zeit war unklar, was mit ihm geschehen war – bis eines Tages eine Postkarte eintraf, auf der er nur mitteilte, dass er dem Mond folge. Verstanden hat ihn niemand. Am wenigsten wohl er selbst.